Der graue Himmel über Berlin

berlin04Elena Stork und Kasum Morina aus Bottrop absolvieren eine Qualifizierung zu Sprach- und Integrationsmittlern („SprInt“) bei der Diakonie Wuppertal. Im Rahmen des Faches Gesellschaftskunde machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine politische Bildungsreise in die Bundeshauptstadt. Hier ist ihr Bericht:

Tag 1

Ein sonniger Morgen am Sonntag, 26. September. Der Treffpunkt – Wuppertal Hbf. Um 10:16 geht es los: Neun „SprInt“ sind auf dem Weg nach Berlin, eine Gruppenreise für politisch Interessierte auf Anregung des Abgeordneten Dr. Hermann Ott von den Grünen. Rund die Hälfte der Kursteilnehmer nimmt an dieser Fahrt teil.

Nach ca. vier Stunden sind wir in Berlin. Mit dem Bus fahren wir  zu einem Hotel, wo wir uns mit Heike Timmen (Sozialpädagogische Betreuung von „Sprint Wuppertal“) und unserem Kollegen Servet Ciftehan treffen. Die beiden sind schon einige Tagen in der Stadt, als Teilnehmer am Deutsch-Türkischen Psychiatriekongress. Nach dem Einchecken im Hotel genießen wir unser erstes  Abendessen in der Hauptstadt Deutschlands. Das gutes Wetter aus Wuppertal sagte uns allerdings: „Auf Wiedersehen“. In Berlin traf uns grauer Regen ohne Ende. Aber trotz Regenwetter gingen wir zur Restauranthalle in der Stadt. Unter der Regendecke sieht Berlin noch anziehender aus: der Alexanderplatz mit dem Fernsehturm, das Brandenburger Tor, der Berliner Dom, die leuchtenden Straßen und gemütlichen Cafés. Nach einem langen Spaziergang und einer warmen Tasse Kaffee am späten Abend gingen wir zum Hotel. Am nächsten Morgen wartete auf uns ein interessanter und anstrengender Tag.

Tag 2

Am Montag um acht Uhr morgens hielt unser Reiseleiter im Bus eine kurze Ansprache: „Ich habe eine schlechte Nachricht: das gute Wetter hatten wir gestern“. Obwohl  die Information übers Wetter negativ war, stieg die Stimmung in der Gruppe. Wir sind bereit für einen langen Tag.

Um 9 Uhr erreichten wir das Gebäude des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Das Bundespresseamt wurde 1949 gegründet. Heute arbeiten in Berlin ca. 370 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rund 90 am alten Dienstsitz Bonn. Das Presse- und Informationsamt erfüllt zwei wesentliche Aufgaben: Information über die Arbeit der Bundesregierung nach außen und interne Information für die Arbeit der Bundesregierung. „Nach außen“ informiert das Bundespresseamt Bürgerinnen, Bürger und die Medien über die Politik der Bundesregierung, über Maßnahmen, Gesetze, Strategien und Hintergründe der Politik. „Nach innen“ informiert das Amt die Bundesregierung und den Bundestag, die Bundeskanzlerin, den Bundespräsidenten sowie deren Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter über die Nachrichtenlage in Deutschland und der Welt.

Um 11 Uhr steht im Plan die Besichtigung des Plenarsaales und ein Vortrag über die Aufgaben und  die Arbeit des Parlaments.berlin02

Ein Mitarbeiter des Hauses führte uns in den Plenarsaal. In diesen Saal kommen zu können ist ein unbeschreibliches Gefühl. Jeder von uns wollte diesen Ort einmal mit eigenen Augen sehen. Der Ort, wo sich die gewählten Vertreter aller Bürgerinnen und Bürger mit deutschem Pass treffen, um wichtige Probleme des Landes zu entscheiden und Beschlüsse zu fassen. Der Vortragende informierte uns über die Hauptstadt. Er erzählte, wie entschieden wurde, das Parlament von Bonn nach Berlin zu verlegen. Uns wurde erklärt, wie die Sitzordnung der Parlamentarier aussieht und wie viele Sitze von welchen Parteien belegt werden. Der Vortrag war nicht lang, aber sehr informativ.

Danach  konnten wir die Glaskuppel besichtigen. Eigene von uns hatten die Möglichkeit, touristische Informationen über die Umgebung des Reichstages in ihrer Muttersprache zu hören. Das Wetter war weiterhin sehr grausam und regnerisch, trotzdem versuchten viele von uns, Bilder von der Glaskuppel zu machen.

Die Zeit verging schnell, wir mussten weiter gehen. Unser nächster Termin war im Paul-Löbe-Haus. Nach einem Sicherheitscheck wurden wir im Kleinen Saal von Dr. Hermann Ott (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) erwartet. Er informierte uns über die Entstehung der Partei und die aktuellen Debatten. Der Klimawandel ist die größte und wichtigste Frage, mit der sich die Partei in der letzte Zeit beschäftigt. Dr. Ott beantwortete verschiedene Fragen in einer Diskussion. Danach ein Fotoshooting: Ein schönes Foto mit dem MdB (Mitglied des Bundestags) hat jetzt jeder von uns.

berlinsprint15.00 Uhr – Mittagessen. Das Wetter – wieder Regen. Unser Weg geht ohne Pause weiter. Die Einführung im Jüdischen Museum stand als nächstes auf unserem Plan. Die Museumsführerin verriet uns einen überraschenden Aspekt der Architektur des Museums: Der Standort befindet sich auf einem Kreuzpunkt gedachter Linien zwischen ehemaligen Wohnsitzen jüdischer Familien auf dem Stadtplan. Dann konnten wir die Ausstellung besichtigen. Tonale und musikalische Effekte im Raum, Hörgeschichte und viele Exponate waren beeindruckend.

19.00 Uhr – Abendessen im typisch berlinerischen Restaurant Yildiz. Nach einem anstrengenden, langen und nasskalten Tag war ein warmes, leckeres Essen und leise Gespräche sehr erwünscht. Manche hatten schon Pläne für den Rest des Abends gemacht. Ein großer Teil der Gruppe ging aber müde und erschöpft zurück ins Hotel. Gemütliche Wohnatmosphäre als verlockender Programmpunkt.

Tag 3

Acht Uhr morgens. Draußen war es kalt und windig. Am Himmel zogen langsam schwere, graue Wolken dahin. Der Regen lässt sich nicht stoppen. Im Hotelrestaurant war es warm und gemütlich. Nach dem Frühstück mit einer aromatischen Tasse Kaffee machten wir uns auf den Weg zum Bus. Dem Plan nach sah eine Rundfahrt mit einem Stadtführer vor, die sich an politischen Punkten orientiert. Man konnte schöne Bilder von Mischungen aus alter und neuer Architektur der Stadt machen. Wir sind die ganze Stadt entlang gefahren. Ein Stück der Berliner Mauer konnten wir auch sehen. Eine Markierung auf dem Boden zeigt auch heute noch den Stadtbewohnern und unzähligen Touristen, wo sich die Mauer früher befand.

Nach dem Mittagsessen im Restaurant „Giraffe“ wartete auf uns ein Informationsgespräch im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend.

Auf den Rest des Tages hatten sich schon viele Teilnehmer gefreut. Ein freier Spaziergang durch die Stadt: Gemütliche Cafés, das Brandenburger Tor, der Berliner Fernsehturm (368 Meter hoch). Von 203m Höhe aus konnte man die ganze Stadt sehen, eine einmalige Sicht und ein einmaliges Erlebnis!  Die beleuchteten Straßen sahen aus wie Lichterketten. Spät abends kamen wir langsam, müde und erschöpft ins Hotel. Unter der warmen Decke machten wir uns Gedanken über den nächsten Tag.

Tag 4

Acht Uhr morgens. Die Teilnehmer trafen sich im Frühstückssaal, unterhielten sich mit einer Tasse Kaffee in der Hand und erzählten über die Erlebnisse des letztes Abends im Berlin. Manche sahen müde, manche frisch, manche traurig, aber die meisten glücklich aus. Dieser Tag war der letzte der Besichtigung. Um zehn Uhr besuchten wir das Museum für Filme und Fernsehen berichtet.

Das Wetter? Sonnig und trocken! Das hatten wir sehr vermisst. Erst nach drei Tagen hatte uns das schöne Wuppertaler Wetter eingeholt.

Nach der Besichtigung des Museums machen wir uns mit dem Bus auf den Weg zum Berliner Hauptbahnhof. Letzte Instruktionen von Frau Timmen. Es war noch Zeit für eine Tasse Kaffee in der Cafeteria des Bahnhofs. Der letzte Blick vieler Reisender galt dem futuristischen Neubau. Schon waren wir unterwegs.

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Die Reise nach Berlin hat einige von uns sehr begeistert. Ich persönlich bin der Meinung, dass alle Schüler mindestens einmal während ihrer Schulzeit die Hauptstadt der Bundesrepublik besuchen sollten. Wer das nicht tut, lernt vielleicht das historische Geschehen im Unterricht, sieht oder liest es in den Medien, aber nicht in der Wirklichkeit.

Zurück in Wuppertal, gab es eine lange Begrüßung. Viele von uns wurden von Angehörigen erwartet. Es war eine schwere Trennung von den Mitreisenden, aber ein glückliches Wiedersehen mit Familienmitgliedern. Vier Tage voller Eindrücke und Einblicke in Politik, Kultur und Geschichte – auf solche Art und Weise sind wir immer wieder gern bereit, wieder zu reisen.