eroeffnungstag_sprintAm 1. Juli begann in den Räumen der Migrationsdienste der Diakonie Wuppertal die Qualifizierung zum/zur Sprach- und Integrationsmittler/-in. Dises Angebot wurde entwickelt, weil im Gesundheits- und Sozialwesen immer wieder Verständigungsprobleme zwischen Fachpersonal und Zuwanderern auftreten. Die Mittler treten als Dolmetscher in Behandlungs- und Beratungssituationen auf und erleichtern die Kommunikation durch die Beachtung kultureller Aspekte.

Der Einsatz der Sprach- und Integrationsmittler soll Missverständnisse sowie kostenintensive Mehrfachbehandlungen und -beratungen verhindern.

Diakoniedirektor Dr. Martin Hamburger begrüßte die 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 14 Herkunftsländern. Durch die engagierte Vermittlung der Fallmanager der ARGE Wuppertal hatten sich über 40 Personen auf die Qualifizierung beworben. Voraussetzung für die Teilnahme waren gute Kenntnisse in Deutsch und mindestens einer Muttersprache, ein eigener Migrationshintergrund und einschlägige Berufserfahrungen bzw. ehrenamtliches Engagement.

Für die Auswahl der zukünftigen Sprach- und Integrationsmittler/-innen waren nicht nur die Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber entscheidend. Das Ziel der Veranstalter war außerdem, dass unter den Teilnehmenden alle in Wuppertal benötigten Sprachen vertreten sein sollten. Die Entscheidung über die Teilnahme fand in Abstimmung mit dem Ressort für Zuwanderung und Integration der Stadt Wuppertal und der ARGE Wuppertal statt, die auch die Qualifizierung finanziert.

In den kommenden 18 Monaten beschäftigen sich die Teilnehmenden mit einem breiten Fächerspektrum. Neben Dolmetschtraining und Grundkenntnissen im Erziehungs-, Bildungs- und Sozialwesen stehen beispielsweise EDV-Unterricht, Psychologie und interkulturelle Kommunikation auf dem Lehrplan. Hinzu kommen mehrere Praktika in Wuppertaler Einrichtungen und Fachdiensten. Vor der Zertifizierung zum/zur Sprach- und Integrationsmittler/-in müssen die Teilnehmenden eine Abschlussprüfung bestehen.

Der erste Eindruck der pädagogischen Leiterin, Özlem Hancer, ist durchweg positiv. Die Teilnehmenden seien hochmotiviert und brächten beste Voraussetzungen mit. Rund die Hälfte von ihnen hat studiert. "Ich bin sicher, dass sie den hohen Ansprüchen der Qualifizierung gewachsen sind", sagte die Germanistin am Ende des Einführungstages.

Zufriedene Kunden und Unterstützer

Prof. Dr. Richter „Für Migranten fehlen passende psychotherapeutische Behandlungsangebote. Wir fordern deshalb muttersprachliche Psychotherapeuten und, wenn dies nicht möglich ist, speziell ausgebildete Dolmetscher in der Psychotherapie.“

Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Berlin

Marlis Bredehorst, Staatssekretärin„In den Gesundheitsberufen muss eine gute Kommunikation großgeschrieben werden. Das schließt für mich selbstverständlich kultursensible Kommunikation ein. Das Angebot an ausgebildeten SprInt steigt. Wichtig ist es, ihnen auch qualifizierte Einsatzmöglichkeiten zu bieten.“

Marlis Bredehorst, Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen

Martin Neumeyer, Integrationsbeauftrager„Sprach- und Integrationsmittler leisten einen wichtigen Beitrag zur Anpassung unseres Gesundheitssystems an den gesellschaftlichen Wandel. SprInt heben Kommunikationsbarrieren zwischen Fachkräften und Patienten/-innen mit Migrationshintergrund auf, die gravierende und langfristige Folgen nach sich ziehen könnten.“

Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung

Marcela Zuniga, Vorsitzende des Migratenbeirats„ Wir Migranten befürworten Sprach- und Integrationsmittler. Durch sie wird nicht die Abhängigkeit gefördert oder das Erlernen der deutschen Sprache verhindert, sondern die Gleichbehandlung und der Zugang zu Leistungen sichergestellt.“

Marcela Zuñiga, Vorsitzende des Migrantenbeirats Leipzig

Maria Kurka, BA Übersetzen„In Deutschland sollte ein Professionalisierung des Community-Interpreting angestrebt werden. Eine kurze Schulung ist nicht geeignet um die Schwierigkeiten zu verstehen, die das Dolmetschen mit sich bringt und zu lernen damit umzugehen.“

Maria Kurka, BA Übersetzen (SDI München), staatlich geprüfte Übersetzerin und Dolmetscherin, Kempten

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Bundesweites Netzwerk Sprach- und Integrationsmittlung